CAC berechnen — Customer Acquisition Cost im Detail
CAC ist die wichtigste Zahl im Performance-Marketing — und gleichzeitig die mit den meisten Berechnungs-Fehlern. Dieser Ratgeber zeigt, was wirklich in den CAC gehört und welche Aufschläge typische Excel-Modelle vergessen.
Zum RechnerDie Grundformel
CAC = Vollkosten / Anzahl gewonnener Kunden
Klingt simpel — die Tücke liegt im Wort „Vollkosten“. Wer nur den Ad-Spend rechnet, bekommt eine geschönte Zahl. Realistisch gehört rein:
- Direkter Ad-Spend — Plattform-Budget
- Anteilige Personalkosten — Marketer, Designer, Copywriter
- Tool-Kosten — CRM, Tracking, Reporting, Landing-Page-Builder
- Agentur-Retainer — falls extern
- Sales-Kosten anteilig — bei B2B mit Sales-getriebenem Funnel
Beispielrechnung Solo-Founder vs. echtes Unternehmen
Variante A: Naive Rechnung (nur Ad-Spend)
5 000 € Google Ads → 25 Kunden → CAC = 200 €. Sieht super aus.
Variante B: Realistische Vollkosten
- 5 000 € Ad-Spend
- 2 500 € anteilige Marketer-Stelle (50 % einer 5 000 €-Vollkosten-Stelle)
- 400 € Tools (HubSpot, Google Tag Manager Premium, Hotjar)
- 1 200 € anteilige Sales-Stunden (20 h × 60 €/h Vollkosten)
- Vollkosten = 9 100 € → CAC = 364 €
Differenz: +82 % CAC. Bei einem LTV von 1 000 € sieht Variante A nach 5× LTV/CAC aus (super), Variante B nach 2,7× LTV/CAC (knapp). Die zweite Zahl ist die Wahrheit.
Welche Kosten gehören NICHT in den CAC?
- Branding-Kampagnen ohne Conversion-Ziel — sie zahlen auf Brand Awareness ein, nicht auf direkte Akquise. Separate Bewertung.
- Customer-Success-Kosten — die zählen zu LTV / Retention, nicht zur Acquisition.
- Produkt-Entwicklung — auch wenn Marketer Wünsche äußern. Das ist OPEX, nicht CAC.
- Office, IT, allgemeine Overhead — Faustregel: nur direkt für Akquise zugeordnete Posten zählen.
Blended CAC vs. Channel CAC
Blended CAC = Gesamtmarketing-Kosten / Gesamtkunden. Gut für Investorengespräche und schnelles Reporting.
Channel CAC = Kosten eines Kanals / Kunden aus diesem Kanal. Notwendig für Skalierungs-Entscheidungen und Budget-Allokation.
Der Rechner berechnet beides parallel — Channel CAC pro Kanal-Zeile, Blended in der Summen-Spalte.
Attribution: das stille CAC-Problem
Wenn ein Kunde Google sucht → Display-Ad sieht → später per Newsletter kauft, wem zuordnen? Last-Click-Attribution gibt alles dem Newsletter, verpasst aber, dass Display + Google den Kontakt aufgebaut haben.
- Last-Click: einfach, verzerrt zugunsten Bottom-Funnel-Kanäle (Direct, Branded Search, Email)
- First-Click: verzerrt zugunsten Awareness-Kanäle (Display, Social, SEO)
- Linear: verteilt gleich auf alle Touchpoints — fairer, aber harder umsetzbar
- Data-Driven (z. B. Google): ML-basiert, aber Black-Box
Praxis-Empfehlung: pro Kanal CAC mit Last-Click rechnen UND einen globalen Blended CAC. Wenn Last-Click stark vom Blended abweicht, gibt es Attribution-Verzerrungen.
Faustregeln für CAC-Höhe
- Niedrigpreis-SaaS (10 – 50 €/Monat): CAC unter 100 € ist Bedingung
- Mid-Market-SaaS (300 – 1 000 €/Monat): CAC 500 – 2 000 €
- Enterprise-SaaS (5 000 €+/Monat): CAC 5 000 – 30 000 €
- E-Commerce mit Repeat-Kunden: CAC = 30 – 50 % vom ersten Bestellwert
- One-Time-E-Commerce: CAC max. 30 % vom Bestellwert (sonst negative Marge)